hering special Herne Flottmann-Hallen

Akusmatik bei Wasser & Brot, später Wein

hering. mit Michael Rüsenberg und Dietmar Bonnen

Der Zweck

Machen wir uns nichts vor: wenn es ums Hören geht, sind wir nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Wann haben wir zuletzt Musik gehört – ohne jede Nebentätigkeit? Wirklich so konzentriert gehört, wie wir das gerne propagieren oder von anderen verlangen; ohne gleichzeitig fernzusehen, zu kochen, abzuwaschen, aufzuräumen, in der Zeitung zu blättern, nach einem Buch zu suchen, zu telefonieren, ja auch ohne Körperkontakt zu anderen. Es fehlt uns die Konzentration, oft werden wir abgelenkt; wir würden ja gerne, könnten wir nur, fänden wir im richtigen Moment die richtige Musik, am liebsten würden wir uns gerne mal überraschen lassen. Hören, was andere vor-gehört haben.

Aber von wem und wo?
Bei hering beispielsweise.

Mehr braucht’s nicht dazu als ein paar empfangsbereite Ohren. Ach was, Ohren sind nur Pförtner; der unsichtbare Apparat dahinter muss aufnahmebereit sein. Mehr nicht. Hören, ein jeder für sich, aber gemeinsam mit anderen. Ein Erlebnis.

Was gibt’s zu hören?
Wo & wie?

Die Sache

Akusmatik. Ein schillernder Begriff. Soll auf Pythagoras (570-480) zurückgehen, auf diejenigen unter seinen Schülern, die nicht genügend zahlen konnten, um ihn auch zu sehen; sie durften ihm nur, getrennt durch einen Vorhang, zuhören. Eine frühe Form von Holzklasse, Stehplatz etc.

In Quebec nennt sich eine ganze Szene von Komponisten danach, sie haben dem Begriff eine positive Lesart gegeben: akusmatische Musik ist die Musik, die man hört, ohne die sie erzeugenden Musiker zu sehen, Elektro-Akustische Musik beispielsweise (Laptop-Musiker diskutieren wir ein andermal). Im Grunde ist ein jeder Akusmatiker, der daheim eine Schallplatte auflegt ... wenn er es denn tut. Und hier finden Akusmatik und hering zusammen: die Reihe präsentiert ausschließlich Musik, der man nicht bei der Herstellung zusehen kann, auch gar nicht zusehen konnte, weil es sich um Kompositionen handelt, die live nicht aufführbar sind.

Mitunter darf man sich auch darüber streiten, ob es sich überhaupt um Kompositionen handelt, wenn z.B. Alltagsgeräusche erklingen. Sie gehören ebenso zum Repertoire von hering wie Elektro-Akustisches jedweder Art, ob von Zappa, Stockhausen oder Francisco Lopez, ob aus dem Urwald oder aus dem digitalen Klanglabor. Hauptsache: es klingt. Es klingt so, dass im Kopf Bilder entstehen – oder auch nicht. Wer wie Asmus Tietchens »Kino im Kopf« ablehnt, ist genau so willkommen.

Die Form

hering findet – mit dem gleichen Programm – an drei verschiedenen Orten statt. Es ist ein exklusives Hörvergnügen, die Teilnehmerzahl begrenzt, Karten gibt es nur im Vorverkauf im Internet. (Ganz Bedürftige werden je nach Platzangebot nicht abgewiesen.) Wer eine Ausgabe verpasst, verpasst nichts, weil er sie an den beiden anderen Orten jeweils auch verfolgen kann. Eine Karte kostet 10 Euro. Dafür hört man in zwei Sitzungen von ca. einer halben Stunde, moderiert von Dietmar Bonnen und Michael Rüsenberg; in der Pause werden Wasser und Brot gereicht, im Anschluss ein Glas Wein.

PS: Kommt hering von HEAR.ing? (Kölner Stadtgarten 1997fff.) Ja, ein bisschen, ist aber anders, exquisiter, kleiner, vielleicht so gar besser.

Michael Rüsenberg